Archive for November, 2014

Wie viel Willenskraft ist gut?

Dieser Text beginnt aus gutem Grund mit einem Poesiealbum-Spruch. Also kurz mal visualisieren – weiße viereckige Albumseite, krakelige Filzstiftschrift, ein paar ebenso krakelige Sterne drum herum: „Das kleine Wort ‚Ich will‘ ist mächtig, spricht’s einer leis und still; die Sterne reißt’s vom Himmel, das kleine Wort ‚Ich will‘.“

Dieser Spruch sprach mir als Kind aus tiefster Seele. Denn ich wollte immer. Und ich wusste immer sehr genau, WAS ich wollte. Kam meine Freundin, hatte ich eine sehr klare Vorstellung, ob wir „Barbie kommt von der Arbeit nach Hause“ oder „Es ist Samstagmorgen und Ken geht zum Bäcker“ spielten. Und ob sie Barbie war oder Ken. Hatte sie keine Lust, setzte ich alles daran, sie umzustimmen. Ich duldete wenig Widerspruch. Dass sie trotzdem eine willige Spielgefährtin war, kam sicher nicht von ungefähr. Sie sagte mir viel später einmal, als wir schon längst erwachsen waren: „Du hast immer bestimmt. Aber ich fand es auch ganz bequem.“

Ich war kein lautes Kind, das polternd alles an sich riss, aber ich war mit einem gnadenlosen stillen Willen ausgestattet, dem es wenig entgegenzusetzen gab. Kam mir etwas überflüssig vor, wollte ich es allerdings mit gleicher Vehemenz nicht. Selten aber war mir irgendetwas egal. Ein Wesenszug, der in meiner Kindheit natürlich nicht immer nur Segen war, denn wenn die Umstände nicht meiner Vorstellung entsprachen, war ich unglücklich. Und natürlich ist die Grenze zwischen einem Kind mit starkem Willen und einem Egoisten fließend.

Menschen mit einem starken Willen sind freier

Erst im Laufe des Lebens hat sich herauskristallisiert, dass diese Eigenschaft, die ich damals nicht bewusst zur Kenntnis nahm, eine heiß begehrte Ressource ist. Denn Willenskraft ist auch ein Synonym für Beharrlichkeit, Entschlossenheit, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen. Menschen, die diese Eigenschaften besitzen, sind laut neuesten Forschungen am glücklichsten und erfolgreichsten. Durchhaltevermögen schlägt sogar Intelligenz und Talent.

Es gibt dieses legendäre Experiment aus den 60er Jahren, in dem der Psychologe Walter Mischel an der Stanford University vierjährigen Kindern ein Stück Mäusespeck hinlegte. Würden sie warten, bekämen sie ein zweites Stück. Die meisten aßen den Speck sofort auf, nur die wenigsten hielten durch. Mischel begleitete die Versuchspersonen über Jahre hinweg bis zum Erwachsenwerden und stellte fest: Wer schon als Kind über Selbstdisziplin verfügt hatte, verdiente später mehr Geld, lebte gesünder und in einer stabileren Partnerschaft als die impulsgesteuerten Sofortesser.

Warum ist das so? Da sind sich die Experten, allen voran der amerikanische Sozialpsychologe und gefeierte Autor Roy Baumeister („Die Macht der Disziplin – wie wir unseren Willen trainieren können“), ziemlich einig: Menschen mit einem starken Willen sind freier. Wer die Selbstdisziplin aufbringt, auf den zweiten Mäusespeck zu warten, schafft sich Handlungsalternativen. Wer sich dagegen ungezügelt seinen Wünschen und Gelüsten hingibt, hat keine Kontrolle über sein Leben. Auch wenn es wie ein Paradoxon klingt – frei sein bedeutet, sich selbst zu beschränken.

Aber woher hat man diese Eigenschaft? Ist sie angeboren oder wird man durch die Eltern geprägt? Es gibt erstaunlich wenig psychologische Forschung über die Entwicklung von Willenskraft. Aber Studien aus dem Bereich der Kriminalität, für die Selbstkontrolle große Relevanz hat, zeigen zum Beispiel beträchtliche genetische Einflüsse darauf, ob wir generell impulsiv oder selbstkontrolliert sind. Diese Veranlagung paart sich dann mit dem, was uns unsere Eltern vorleben. Wenn sie uns zum Beispiel zeigen, dass man diszipliniert dranbleiben muss, wenn man etwas erreichen will, werden wir das als Kinder unbewusst übernehmen. Die Kinder dagegen, deren Eltern ihnen signalisieren: „Wenn du nicht mehr kannst, musst du nicht weitermachen“, werden eher aufgeben. Die so genannte Selbstmotivierungskompetenz wird gestärkt, wenn wir als Kind auch mal schwierige oder unangenehme Aufgaben allein lösen müssen. Das setzt jedoch voraus, dass wir uns im Großen und Ganzen von unseren Eltern verstanden fühlen.

Ich habe zum Beispiel mit zehn Jahren mit dem Reiten angefangen, weil ich es unbedingt wollte. Und ich erinnere mich, dass es mich am Anfang sehr angestrengt hat und ich vor jeder Reitstunde rasend aufgeregt war, weil mein Talent sich in Grenzen hielt. Aber Reiten zu lernen war mein großer Wunsch, und für mich war es keine Frage, ob ich dranbleiben würde. Meine Mutter, die mich zunächst zu den Reitstunden fuhr, hätte nie eine Ausrede gelten lassen, außer vielleicht hohes Fieber. Diese Haltung habe ich inhaliert. Und nie wieder abgelegt. Das Fazit? Ich reite heute immer noch, und zwar gar nicht so schlecht. Was wiederum die Theorie stützt, dass Durchhaltevermögen und Disziplin für den Erfolg einer Sache wichtiger sind als Talent…

Es gibt nur die Möglichkeit, weiterzumachen

Meine Fähigkeit dranzubleiben half mir im Studium und beim Berufseinstieg. Ich ertrug Demütigungen, Durststrecken und Zweifel. Ich war bei Weitem kein überdurchschnittlich schneller Durchstarter. Ich ließ mir viel Zeit, aber ich hatte ein Ziel und verlor es nicht aus den Augen. Es passierte nicht krampfhaft – ich kannte es nicht anders. Es erschien mir als der einzig mögliche Weg, ein gutes Leben zu führen. Das ist vielleicht das Geheimnis willensstarker Menschen: Es gibt in ihrem Kosmos keine andere Möglichkeit, als weiterzumachen.

Und genau das ist eben der Nachteil: Willenskraft kann sehr anstrengend und auch schmerzhaft sein. Sie nagt und brennt erbarmungslos. Oft wäre es schöner, die Dinge auch mal lockerer zu sehen. Andere machen und sich treiben zu lassen. Sich um nichts zu kümmern – nicht um die Pfunde am Bauch, nicht um den Karriereschritt. Wer einen starken Willen hat, ist in der Regel ein Optimierer. Und zwar in jedem Lebensbereich. Nicht umsonst sind die Menschen mit Burnout in der Regel diejenigen, die eine sehr große Selbstkontrolle haben. Und Beharrlichkeit und Disziplin stoßen bei anderen oft negativ auf.

Ja, man kann auch ein Zuviel an Willenskraft haben.

Die hohe Kunst ist es, sie virtuos spielen zu lernen, wie ein Instrument. Sozialpsychologe Dr. Malte Friese von der Universität des Saarlandes beschreibt das so: „Ich betrachte Selbstkontrolle als ein Geschenk, das es erleichtert, langfristige Ziele zu verwirklichen. Man kann dieses Geschenk einsetzen, aber man muss es nicht bei jeder Gelegenheit tun, die dafür geeignet wäre.“ Auch mal bewusst unkontrolliert sein kann nämlich sehr schön sein: „Ich konnte nicht anders, ich musste mich betrinken und die Nacht durchfeiern.“ Das ist der Gebrauch von Willenskraft für Fortgeschrittene.

Walter Mischel, der Mann mit dem legendären Experiment, hat es so formuliert: „Zum Leben gehört nicht nur Selbstkontrolle, sondern auch das Wissen, wann es Zeit ist, der Versuchung nachzugeben. Ein Zuviel an Selbstkontrolle ist ungelebtes Leben.“ Und ich würde sagen: Der Mann hat recht.

  • Kleine Anleitung für Willenskraft-Willige

    Immer mal wieder in kleinen, überschaubaren Portionen die Selbstkontrolle überprüfen, zum Beispiel: Ich werde heute Süßigkeiten widerstehen. Wer seine Selbstkontrolle regelmäßig trainiert, wird tatsächlich besser.

  • Prioritäten setzen: sich nicht zu viel auf einmal vornehmen, sondern realistische Ziele anpeilen. Wenn man an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpft, schwächt das die Willenskraft.

  • Konkret planen: nicht „Ich will jetzt endlich regelmäßig joggen“, sondern „Ich laufe diese Woche dreimal 20 Minuten“. Und dann steigern.

  • Keine Aufgabe aufschieben, die man in weniger als zwei Minuten erledigen kann.

  • Ausreichend schlafen: Zu wenig Schlaf ist der „Feind der Willenskraft“. Müde und überlastete Menschen können nicht diszipliniert sein.

Zuerst veröffentlicht auf:

www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit

Syrien: Menschenwürdige Krankenversorgung in einem menschenverachtenden Krieg (FOTO)

Köln (ots) – Die Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte (DSV) e.V. auch im vierten Jahr des fürchterlichen Krieges in Syrien für die Krankenversorgung von zivilen Opfern und chronisch erkrankten Menschen ein.

Die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in verschiedenen Krankenhäusern mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes wurde bereits April 2013 begonnen.

Die medizinische Grundversorgung in Syrien ist seit Langem zusammengebrochen. Es fehlen sowohl medizinische Materialien und Medikamente für die Krankenhäuser als auch ausreichend Personal. Nach Angaben der WHO können 73 Prozent der Krankenhäuser und 27 Prozent der Gesundheitsstationen keine Leistungen mehr erbringen. Viele Menschen sterben nicht nur an den Folgen von Kriegsverletzungen, sondern auch an Krankheiten, die unter anderen Umständen nicht lebensbedrohlich wären. Laut einer Untersuchung sind seit Ausbruch des Krieges über 200.000 Menschen durch unzulängliche Gesundheitsversorgung an chronischen Krankheiten gestorben.

„Es ist unsere Pflicht für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung für die Zivilbevölkerung in Syrien in diesem fürchterlichen Bürgerkrieg zu sorgen“, sagt Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland, zum gemeinsamen Einsatz mit der DSV. „Als Deutsch-Syrer ist es für uns erschreckend und schmerzlich, was in Syrien passiert. Deshalb sind wir weiterhin sehr bemüht, unser gemeinsames humanitäres Engagement zu erhöhen“, so Safouh Labanieh, Geschäftsführer des Deutsch-Syrischen Vereins zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte.

Im ersten Jahr konnten Islamic Relief Deutschland und DSV durch die Ausstattung von Intensivstationen mit Medikamenten und Utensilien Kranke und Schwerverletzte erfolgreich versorgen. Dabei wurden vor allem chronisch kranke Menschen wie Dialysepatienten versorgt und die Grundversorgung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen gesichert.

Derzeit werden 44 Krankenhäuser und Gesundheitszentren mit medizinischen Materialien ausgestattet, wodurch 45.000 Patienten kostenlos behandelt werden können. Außerdem werden zehn Dialysezentren mit entsprechenden Materialien beliefert. Um eine entsprechend qualitative Versorgung gewährleisten zu können, werden monatlich 150 Personen aus dem medizinischen Bereich aus- und weitergebildet. Die Hilfsgüter werden hauptsächlich in der Türkei gemäß den vom Auswärtigen Amt vorgeschriebenen Richtlinien beschafft. Die Materialien werden durch überprüfte Helfer an die Krankenhäuser überbracht.

Im ersten Jahr umfasst die Hilfe 1,2 Millionen Euro. Für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung ist bis Februar 2015 eine Hilfe von mehr als drei Millionen Euro vorgesehen.

 Islamic Relief Deutschland ruft weiterhin zu Spenden zur Unterstützung von syrischen Kriegsopfern auf: 
 Stichwort "Nothilfe-Syrien" Spendenkonto: 12 20 20 99, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 50198 IBAN: DE 94 370501980012202099, BIC: COLS DE 33 Spendenhotline: 0221 200 499-0 Online: www.islamicrelief.de SMS: Syrienhilfe (für jede SMS fallen 17 Cent Mobilfunkgebühren an) 

Kurzprofil Islamic Relief Deutschland e.V.

Islamic Relief Deutschland, 1996 in Köln gegründet, ist eine international tätige Hilfsorganisation. Dank des weltweiten Netzwerkes von Partner- und Projektbüros in mehr als 40 Ländern erreich sie mit Nothilfe- und Entwicklungsprojekten bedürftige Menschen in Afrika, Asien, Nahost und Osteuropa. Die Gründungsgeschichte von Islamic Relief geht zurück auf das Jahr 1984 und begann mit der Hungersnot am Horn von Afrika. Ihre Arbeit ist transparent, ganzheitlich und nachhaltig. Den islamischen Werten folgend verpflichtet sie sich dazu, Armut und Leid der Ärmsten zu lindern – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Kultur. Islamic Relief Deutschland arbeitet eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen, unter anderem als Mitglied im Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Horst Köhler, Bundespräsident a.D., und als Mitglied von „Gemeinsam für Afrika“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Weiteres unter www.islamicrelief.de

Für Rückfragen und weitere Informationen können Sie sich jederzeit an die Pressestelle von Islamic Relief Deutschland wenden.

 

URL der Quelle:

http://www.presseportal.de/pm/50131/2880599

Welt-Diabetes-Tag – Diabetes: Neue Methoden, um Zucker zu senken

Eines Tages ist es so weit: Die Bauchspeicheldrüse schwächelt, schafft die Insulinproduktion nicht mehr. Dabei gibt es zwei Ursachen. Beim Typ-1-Diabetes, der meist im Kindes- und Jugendlichenalter auftritt, hat ein Autoimmun-Defekt die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Beim viel häufigeren Typ 2 – früher Altersdiabetes genannt – ist meist das Übergewicht schuld. Denn die mit dem Menschen älter werdende Bauchspeicheldrüse produziert weniger Insulin, und zusätzlich erschweren verfettete Zellen und zu viel Kalorienaufnahme die Wirkung des Hormons.

Mögliche Folgeschäden

Die Folgen sind unterschiedlich. Junge Diabetiker verhungern durch den Insulinmangel quasi bei lebendigem Leib und entdecken deshalb auch rasch durch die Symptome großer Durst, vermehrter Harndrang und permanente Erschöpfung ihre Erkrankung.

Anders beim Typ 2. Er bleibt durchschnittlich sieben Jahre lang unbemerkt, verursacht keine Schmerzen, doch seine Wirkung im Körper ist dramatisch. Oft wird erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall der bereits bestehende Diabetes entdeckt. Aber auch Erblindungen, Erektionsstörungen, schlecht heilende Verletzungen (vor allem an den Füßen) und Schädigungen am Nervensystem können die Folgen sein.

Lebensretter Insulin

Bis vor etwa 90 Jahren waren Erkrankte unwiderruflich todgeweiht. Doch dann entdeckten die kanadischen Forscher Frederick Banting, John Macleod und Charles Best das lebensrettende Hormon in Schweine- und Rinderkörpern – die Insulintherapie war erfunden. Heute wird das Hormon nicht mehr aus Tieren, sondern aus Hefepilzen gewonnen, die in Hightech-Anlagen gentechnisch gezüchtet, dann vermehrt und schließlich „abgeerntet“ werden.

Der einzige Nachteil der lebensrettenden Therapie: Insulin kann dem Körper bisher ausschließlich per Injektion zugeführt werden, weil die Salzsäure des Magens das sensible Hormon in einer Tablette zerstören würde. Doch das soll sich, wenn es nach den Forschern geht, schon bald ändern.

Neue Hormone im Visier

In den letzten Jahren wurden zwei weitere Hormone entdeckt, die ebenfalls im komplexen Verdauungssystem des Menschen eine wesentliche Rolle spielen. Die Glucagon-Like-Peptide (GLP1) und die Sodium Glucose Co-Transporter-2 (SGLT2). Sie sind als orale Antidiabetika bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz. Die Tabletten unterscheiden sich aber doch deutlich in der Wirkungsweise.

GLP1 stimuliert die Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Es senkt die Produktion von Glucagon in den Alphazellen der Bauchspeicheldrüse. Glucagon selbst setzt Glucose (Traubenzucker) aus der Leber frei. Darüber hinaus verzögert es die Entleerung des Mageninhaltes in den Darm und stimuliert das Sättigungsgefühl.

Anders bei SGLT-2 (Sodium-Glucose linked transporter 2). Dabei handelt es sich um ein Eiweiß. Ist es aufgrund einer erblichen Störung nicht funktionsfähig, finden sich bei betroffenen Personen hohe Zuckerwerte im Urin, ohne dass sie durch einen hohen Blutzuckerspiegel verursacht wurden. Das machen sich die SGLT-2-Hemmer zunutze: Der Blutzuckerwert wird gesenkt, gleichzeitig verliert man Gewicht – überschüssiger Zucker und Kalorien werden einfach weggepinkelt. Mittlerweile sind beide Substanzklassen gut erforscht, und bislang gibt es keinerlei Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen, vor allem keine der gefürchteten Unterzuckerungen (Hypoglykämien).

Forschung und Weiterentwicklung

Für die Pharmafirmen liegen die nächsten logischen Weiterentwicklungen daher auf der Hand. Beim dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk forscht man daran, wie man einerseits fixe Kombinationen von Insulin und dem GLP1 in einer einzigen Injektion verabreichen kann, und andererseits, wie man die beiden empfindlichen Substanzen unbeschadet durch das Salzsäurebad des Magens transportieren kann.

Dazu experimentieren die Forscher nicht nur mit einer Pillenpresse, die mit 8,5 Newtonmeter die Wirkstoffe verdichtet. Eine noch im Entwicklungsstadium befindliche Beschichtung der Tabletten soll nicht nur zusätzlichen Schutz bieten, sondern auch am richtigen Ort – am Anfang des Dickdarms – die Wirkstoffe freisetzen.

Bei Eli Lilly in den USA geht man ähnliche Wege. Dort will man das selbst entwickelte Gliflozin – so der Name für die SGLT-2-Substanzen – in Kombination mit dem relativ altgedienten Metformin – vermarkten. Vor Kurzem wurde dafür von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung erteilt. Parallel dazu entwickelt man bei Eli Lilly aber auch ein GLP1-Medikament, das nur noch ein Mal pro Woche eingenommen werden muss.

Therapie ohne Hürden

„Wir wissen, dass besonders Typ-2-Diabetiker häufig viele Pillen pro Tag schlucken müssen – Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin sind oft Begleiterscheinungen vom Diabetes-Typ-2“, erläutert Christophe Arbet-Engels von Boehringer Ingelheim, wo man in Sachen Diabetes mit Eli Lilly zusammenarbeitet. „Wir glauben, dass die Compliance der Patienten steigt, wenn sie nur ein Mal pro Woche ein Medikament nehmen müssen.“

Der französisch-deutsche Konzern Sanofi forscht derzeit an der Weiterentwicklung seines erfolgreichen Langzeit-Basalinsulins Lantus. Die Prüfsubstanz des neuen Insulins U300 ist eine Formulierung auf Basis des Moleküls Glargin, dem biologischen Wirkstoff von Insulin glargin, dessen Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil gut untersucht und etabliert ist. U300 hat in Studien ein flacheres und verlängertes Wirkprofil als Insulin glargin gezeigt.

Diese Haupteigenschaft ist verantwortlich für weniger Hypoglykämien, besonders der Prozentsatz an schweren und nächtlichen Unterzuckerungen war in klinischen Studien mit insgesamt 3500 Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes deutlich reduziert. Die Senkung des Risikos von hypoglykämischen Ereignissen ist zwingend für die wirksame Zuckereinstellung, und U300 scheint gerade in den ersten Wochen der Insulineinstellung Unterzuckerungen zu reduzieren.

Das Fazit: Für Diabetiker kommen neue Medikamente auf den Markt, die den Verlauf der Krankheit besser und naturnäher therapieren. Eine Heilung ist allerdings in keinem Konzept vorgesehen. Keinen Diabetes zu bekommen ist jedoch der großen Mehrheit der Typ-2-Diabetiker vorbehalten: Durch vernünftige Ernährung und ausreichend Bewegung könnte mindestens die Hälfte der Typ-2-Erkrankungen vermieden werden. (Peter Hopfinger, DER STANDARD, 14.11.2014)

Quelle:

derstandard.at/2000008115350/

COPD: In zwanzig Jahren typisches Frauenleiden

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die zum größten Teil mit dem „Raucherhusten“ beginnt und mit Lungenblähung und -versagen schließlich tödlich enden kann, ist ein erhebliches gesundheitliches Problem. Dieses wird zunehmend zu einer „Frauensache“ und die Zahl der Therapieplätze sei viel zu gering, wie steirische Mediziner warnen.

Schleichende Entwicklung

Studien zeigen, dass die Zahl der an COPD erkrankten Personen konsequent zunehme – auch in Österreich, so Gert Wurzinger, Primarius an der Abteilung für Lungenkrankheiten am LKH Hörgas-Enzenbach im Vorfeld des Welt-COPD-Tages am 19. November. Mehr als 500.000 Menschen in Österreich und alleine rund 75.000 in der Steiermark würden an einer behandlungsbedürftigen Form der Erkrankung leiden. 9.000 müssten in der Steiermark jährlich stationär behandelt werden. Verursacher seien hauptsächlich Gifte in der eingeatmeten Luft, vor allem durch aktives und passives Rauchen. Was für den Betroffenen als landläufige „Raucherbronchitis“ beginnt, wird oft gar nicht als Krankheitsbild erkannt und entwickelt sich über Jahre schleichend in eine chronisch fortschreitende Abnahme der Lungenfunktion. Diese kann schließlich ins Emphysem (Lungenblähung) und sogar in ein Lungenversagen münden.

Insgesamt zeige sich bei den Erkrankungsfällen ein deutlich stärkerer Anstieg bei den Frauen als bei den Männern: „Vor 20 Jahren war die COPD eine typische Männerkrankheit. Jetzt haben die Frauen die Männer schon überholt und in 20 Jahren wird die COPD eine typische Frauenkrankheit sein“, sagte Wurzinger. Er führt die Verschiebung auf die vor 20 Jahren begonnene Zunahme des Zigarettenkonsums bei Frauen zurück: „Die Erkrankung folgt mit einem zeitlichen Abstand von 20 bis 40 Jahren“, so der Lungenexperte.

Vernachlässigte Früherkennung

Der steirische Primar kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in Österreich die Früherkennung von Lungenkrankheiten im Allgemeinen und COPD im Speziellen vernachlässigt werde: „Schon Kinder beginnen zu rauchen. Wenn sie dann mit 40 oder 50 Jahren aufgrund von Atemnot den Arzt aufsuchen, muss festgestellt werden, dass schon 40 oder 50 Prozent der Lungenleistung unwiderruflich verloren sind“, so Wurzinger.

„Ein beträchtlicher Teil der stationären Aufnahmen und damit der Kosten könnten eingespart werden, wenn die Krankheit schon im Frühstadium entdeckt und behandelt werden könnte“, betonten auch die beiden Vorstände der steirisches Landesspitäler, Karlheinz Tscheliessnigg und Ernst Fartek.

Wurzinger kritisierte auch die mangelnde Möglichkeit der Rehabilitation für an den Lungen geschädigte Patienten in Österreich: „Nicht einmal zehn Prozent der benötigten Therapieplätze sind vorhanden“. Und während es in Deutschland nach der stationären Rehabilitation eine Weiterführung im patientennahen Bereich in Form von 800 „Lungensportgruppen“ gebe, existiere in Österreich „nicht einmal eine einzige“. (APA, derStandard.at, 14.11.2014)

Link zur Homepage:

http://derstandard.at/

Immobilien mit Nebenwirkungen – Husten, Müdigkeit, Schwindel – So macht das eigene Haus krank

Auslöser für manche Krankheit kann das eigene Haus sein. Vor allem in den 60er und 70er Jahren wurden Materialien verbaut, die erst Jahre später ihre Gefährlichkeit zeigten. Wie Sie den Giften auf die Spur kommen.

Wer ein gebrauchtes Haus kauft, der weiß in der Regel nicht, was sich hinter Wandverkleidungen, unter Bodendielen und abgehängten Decken verbirgt. In manchem Altbau tickt im wahrsten Sinne des Wortes eine chemisch-biologische Zeitbombe.

Empfindliche Menschen und Familien mit kleinen Kindern sollten sich deshalb schon vor dem Einzug (am besten bereits vor dem notariellen Kauf des Hauses) eine komplette Wohnraumanalyse machen lassen, damit sie später keine bösen Überraschungen erleben. Ein Innenraumcheck bringt schnelle Ergebnisse und erlaubt Rückschlüsse auf den mögli­chen Sanierungsaufwand – der sich unter Umständen Wert mindernd auf den Kaufpreis niederschlägt.

 

Ein Gutachten ist nicht teuer

Dabei halten sich die Kosten der Wohnraumanalyse in Grenzen: Bei einem durch­schnittlichen Kaufpreis für das Haus von 250.000 Euro liegen die Untersuchungskosten erfahrungsgemäß bei ein bis zwei Prozent – und damit deutlich unter der Makler-Courtage. Ihr Vorteil: Finanzielle und gesundheitliche Risiken werden ausge­schaltet.

Manchmal stellen sich gesundheitliche Beschwerden erst nach längerer Zeit ein und werden zunächst gar nicht mit dem Haus in Verbindung gebracht. Schleichend verschlechtert sich der Gesundheitszustand. Neurodermitis beim Kleinkind wird voreilig falschen Ursachen zugeschlagen, häufige Kopfschmerzen werden dem täglichen Arbeitsstress angelastet. Oft kurieren Haus- und Fachärzte Jahre lang an Symptomen herum, ohne auf die eigentliche Ursache zu stoßen – das gesundheitsschädliche Haus.

 

Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl

Erste Anzeichen für gebäudebedingte Erkrankungen sind un­spezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Hautreizungen, Schleimhautschwellungen, hohe In­fektanfälligkeit, allergische und asthmaähnliche Beschwerden; daneben werden in Innenräumen häufig auch Schadfaktoren mit Krebs erzeugendem Potential gefunden. Meist leidet erst ein Familienmitglied an einem oder mehreren Symptomen, dann nach und nach auch die anderen.

Hausbesitzer – aber auch Mieter – sind in diesem Fall heute immer noch auf Eigeninitiative angewiesen. Kaum ein Arzt fragt nach den heimischen Wohnbedingungen. Betroffene sollten sich fragen, ob ihre Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit dem Einzug ins Haus stehen und ob sich ver­schiedene Symptome etwa im Urlaub vorübergehend verbessern. Beides sind mögliche Hinweise auf krankmachende Faktoren zu Hause.

 

Welche Schadstoffe im Haus krank machen

Wer ein Haus aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bewohnt und es in den vergangenen Jahrzehnten nicht modernisiert hat, der wird selten mit gebäudebedingten Erkrankungen zu tun haben.

Bis in die 1960er Jahre wurden beim Einfamilienhaus­bau vor allem natürliche, traditionelle Baustoffe verwendet, die im Allgemeinen gut verträglich sind. Erst in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren begannen die Probleme. Moderne Baustoffe, vor allem PVC und Kunstfasern setzten sich durch. Statt der traditionellen rund 50 Baumaterialien standen nun mehrere hundert zur Verfügung – und wurden von Architekten und Heimwerkern auch benutzt. Mit all den damit verbundenen Problemen.

Innenraumexperten kennen die verschiedenen Schadfaktoren, die den Bewohnern eines Hauses gefährlich werden können. Chemische Verbindungen wie flüchtige und schwerer flüchtige organische Verbindungen, aber auch Schwermetalle und Re­aktionen verschiedener Verbindungen miteinander sind zu be­rücksichtigen.

Des Weiteren gehören zu den Schadfaktoren in Innenräumen alle Arten von Stäuben (an die häufig chemische Verbindungen angelagert sind), ferner Geruchsauffälligkeiten sowie physikalische und biologische Faktoren (Schimmelpilze, Bakterien).

 

Originalbeitrag lesen:

http://www.focus.de/