Archive for the ‘Depression’ Category

Aktennotizen zum Germanwings-Todespilot – Kochen, Einkaufen, Fernsehen – So lief der letzte Abend von Andreas L.

Noch immer ist unfassbar, was Andreas L. antrieb, die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zum Absturz zu bringen und 149 Menschen mit sich in den Tod zu reißen. Wie schlecht es psychisch um den 27-Jährigen bestellt war, bemerkte noch nicht mal seine Freundin. Das geht aus Aktenvermerken der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hervorgeht, die der „Bild“-Zeitung vorliegen.

Der letzte Abend mit der Freundin

So verlief etwa der letzte Abend des Paares – der 23. März 2015 – völlig unauffällig, wie die Frau im Verhör der Polizei schilderte: L. habe bereits gekocht, als sie von der Arbeit nach Hause kam.

Man habe dann gemeinsam die Einkäufe für die Woche erledigt, anschließend ferngesehen und sei dann schlafen gegangen. Der Freundin sei „nichts Ungewöhnliches an seinem Verhalten aufgefallen“, notierten die Beamten. Von seinen massiven psychischen Problemen wusste die junge Frau nichts.Auch dass er an dem Tag eine Patientenverfügung unterzeichnet hatte, ahnte sie nicht.

Wie ihn sein Kollege am Tag vor dem Todesflug erlebte

Auch bei dem Piloten, mit dem er am Tag vor der Katastrophe einen gemeinsamen Flug von Düsseldorf nach Berlin-Tegel absolvierte, hinterließ er „insgesamt einen guten Eindruck“. Die beiden unterhielten sich unter anderem über Cockpit-Türen und den 11. September 2001.

Was im „Glückstagebuch stand“ 

Doch es war nichts okay. L. litt an schweren Schlafstörungen, wie er in seinem Tagebuch mit dem Titel „Glückstagebuch von Andy“ notierte, das er im Januar begann. An einer Stelle heißt es darin: „Vier Stunden am Stück geschlafen.“ Daneben malte L. einen Smiley, wie „bild.de“ berichtet. Im Buch fanden sich auch ein Rezept für das Beruhigungsmittel Lorazepam und das Antidepressivum Mirtazapin.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten eine leere Packung der Antidepressiva Mirta TAD N2, Mirtazapin-Neurexpharm und Lorazepam-Neuraxpharm. Weitere leere Tablettenpackungen von Antidepressiva und Stimmungsaufhellern hätten im Mülleimer, berichtet „bild.de“ weiter.

Das Verhältnis zur Familie

Andreas L., Jahrgang 1987, hatte laut Akte eine ganz normale Kindheit in bürgerlichen Verhältnissen. Von Freunden wird er als häuslicher Typ beschrieben, besonders zu seiner Mutter soll er ein inniges Verhältnis gehabt haben. Mit seiner langjährigen Freundin plante er bereits eine eigene Familie.

Hausarzt befürchtete Psychose

Einen Großteil der Aktennotizen nimmt die Krankengeschichte des Kopiloten ein. L. besuchte zahlreiche Haus- und Augenärzte, Neurologen und Psychologen. Er schilderte vor allem Sehstörungen, Blitze und Lichtempfindlichkeit und hatte panische Angst vor dem Erblinden.

In einem Befund einer neurologischen Praxis in Düsseldorf von Februar 2015 heißt es: „Die Verdachtsdiagnose lautet auf hypochondrische Störung (…) Abgesehen von einem sehr fokussierten Denken auf die Sehstörung waren die erhobenen Befunde neurologischer und psychischer Art unauffällig. Suizidalität wurde verneint.“

L.s Hausarzt riet ihm im März 2015 zu einer Behandlung in einer Psychiatrischen Tagesklinik, weil er befürchtete, dass sich eine Psychose anbahnte, wie „bild.de“ berichtet. Der Arzt stellte L. vom 12. bis 30. März 2015 eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Dennoch trat der Kopilot in dieser Zeit seinen Dienst an.

 

Ursprünglich veröffentlicht:

www.focus.de/

Leitartikel zu psychischen Erkrankungen : Das Pro und Contra von Netzen

Ambulante Versorgungsnetze für Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen verhindern Drehtüreffekte. Doch spart das dem Gesundheitssystem Geld? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

 

Die ambulante Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gelingt am besten in Netzwerken. Das erkennen inzwischen immer mehr Akteure im Gesundheitswesen, seien es Krankenkassen oder Ärzte. (mehr …)

Psychotherapeuten: Kaum Zugriff auf Männer-Psychen

Psychotherapeuten klagen: Männer mit Depressionen bleiben oft unbehandelt, weil ihre psychische Erkrankung zu selten diagnostiziert wird. Männersprechstunden könnten Abhilfe schaffen.

 

Männer reagieren anders auf Depressionen als Frauen. Während sich die Krankheit bei ihnen eher in Niedergeschlagenheit äußert, betäuben Männer ihre Gefühle öfter mit Alkohol und neigen zu riskantem Verhalten. (mehr …)

Festgehalten in der Psychiatrie – Der Fall Mollath und die Angst vor der Zwangsjacke

Der Fall Gustl Mollath ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie der Aufenthalt in der Psychiatrie zum unfreiwilligen Dauerzustand werden kann. Die meisten psychisch Kranken kommen und gehen jedoch aus freien Stücken.
Der Fall Gustl Mollath hat einer alten Angst neue Nahrung gegeben: In die Psychiatrie kann jeder schnell hineingeraten, man kommt aber nur schwer wieder raus. Und in der Zwischenzeit machen Psychopharmaka aus Patienten willenlosen Zombies. Die Geschehnisse um den 56-jährigen Nürnberger lassen Justiz und Psychiatrie in Bayern in düsterem Licht erscheinen. Ein bedauerlicher Einzelfall, sagen die einen. Typisch für den Umgang mit widerspenstigen, renitenten und psychisch auffälligen Menschen, sagen die anderen. Das ist, kurz zusammengefasst, geschehen:

Der frühere Geschäftsmann Gustl Mollath erhob während des Scheidungskriegs vor knapp zehn Jahren schwere Beschuldigungen gegen seine Frau, eine Bankerin. Es ging um illegale Geldtransfers in die Schweiz. Die Bank schwieg, die Ehefrau nannte ihren Mann verrückt, er habe sie geschlagen und gewürgt. Der Fall landete 2006 vor Gericht und endete für den Beschuldigten in der geschlossenen Psychiatrie – er sei nicht schuldfähig, aber gemeingefährlich und habe Wahnvorstellungen. Der Angeklagte hatte stets behauptet, alle Vorwürfe dienten nur dazu, ihn mundtot zu machen und die Schwarzgeldaffäre unter den Teppich zu kehren. In der Klinik lehnte Gustl Mollath jede Therapie ab, er sei schließlich nicht verrückt. Dass er aber ausufernde und teils wirre Pamphlete an Justiz, Politik und Medien verschickte, verstärkte nur die Meinung von Ärzten, Gutachtern und Richtern, er bilde sich die Finanzmauscheleien ein und leide an Verfolgungswahn. Sieben Jahre später hat sich der Schwarzgeld-„Wahn“ größtenteils als Wahrheit erwiesen, die Anschuldigungen der Ex-Frau als Zweifelhaft und die die Beurteilung des Mannes vor, während und nach dem Prozess als voreingenommen, oberflächlich und leichtfertig. Jetzt soll der Fall vor Gericht neu aufgerollt werden. Aus der Psychiatrie entlassen wird der Mann deshalb noch lange nicht. (mehr …)

Depression: Area tegmentalis ventralis als Zentrum der Antriebslosigkeit

Palo Alto – Die Area tegmentalis ventralis, eine Region im Mittelhirn mit einer engen Beziehung zum Belohnungssystem des Gehirns, könnte für die Pathogenese der Depression von zentraler Bedeutung sein. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature 2012; doi:10.1038/nature11740). Die Area tegmentalis ventralis gehört zu den Regionen des Mesencephalons (Mittelhirns), in denen die Neuronen über den Neurotransmitter Dopamin miteinander kommunizieren. (mehr …)

Er prangerte Schwarzgeldgeschäfte an – Psychiater sehen Gustl Mollath sehr unterschiedlich

 
Im Fall des Psychiatriepatienten Gustl Mollath widersprechen sich nach FOCUS-Informationen die Gutachten: Schon zwei Psychiater stuften ihn als nicht gemeingefährlich ein. Horst Seehofer mahnte, den Fall schnell zu überprüfen.
Der Garmischer Psychiater Friedrich Weinberger diagnostizierte bei dem 56-jährigen Mollath nach FOCUS-Informationen lediglich eine „reaktive Depression“. Der Straubinger Gutachter Hans Simmerl attestierte dem Nürnberger „eine auffällige Grundpersönlichkeit mit fanatisch-querulatorischen Zügen“. Beide halten ihn nicht für gemeingefährlich. Mollath sitzt seit fast sieben Jahrenin der forensischen Abteilung der Psychiatrie, weil er seine Frau misshandelt und Reifen zerstochen haben soll.

Das Unterbringungsgutachten hatte ihm ein „paranoides Gedankensystem“ bescheinigt und ihn als allgemeingefährlich eingestuft. Auch mehrere andere Gutachter schrieben Mollath diese Eigenschaft inzwischen zu. Gefährdet seien demnach nicht nur seine Ex-Frau, eine Vermögensverwalterin der früheren Hypo-Bank, und ihre Geschäftspartner, sondern auch „beliebige weitere Personen“. Mollath hatte die „größte Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz“ angeprangert. Er ist der Meinung, deshalb „weggesperrt“ worden zu sein. (mehr …)